Sonntag, 8. Mai 2016

Das Komboloi oder Wie man sich als Grieche tarnt


Ein jeder, der Griechenland bereist, hat es schon gehört: Das typische Klack-klack mit dem die Perlen des Komboloi aneinanderschlagen, wenn sein Besitzer das Kettchen geschickt um die Finger wirbelt.
Von Außenstehenden als Rosenkranz missdeutet, ist es eigentlich ein Accessoire der Herrenausstattung und hat seine religiöse Bedeutung schon lange verloren. Über seine Herkunft gibt es viele Spekulationen: Aus China stammend, von den Mönchen des Athos als Gebetsschnüre genutzt, von den Türken übernommen. Mir gefällt am besten die Geschichte, dass in den Zeiten der türkischen Besatzung es als Mutprobe galt, vor den Türken mit deren Gebetskettchen zu spielen und die Besatzer damit zu verhöhnen. Die Menschen, die uns begegnet sind, nutzen es heute zum Zeitvertreib, um ihre Hände beschäftigt zu halten und als Glücksbringer. Auch ich trage jeden Tag ein kleines Komboloi in der Jackentasche. Es erinnert mich im hektischen deutschen Alltag an das flirrende Licht über dem Meer, an den Duft roter Erde und warmen Wind auf der Haut. Droht mir der Stress die gute Laune zu vermiesen, greife ich in meine Tasche, schiebe die Perlen ein bisschen hin und her und finde zurück zur inneren Ruhe. Frank und ich verbinden aber mit dem Komboloi noch eine ganze eigene Geschichte, die ich nun erzählen möchte:
Der Altstadt von Chania wohnt ein ganz besonderer Zauber inne, der auch im Sommer trotz der Touristenströme spürbar wird. Wir lieben es, durch die schmalen Gassen zu streifen, dem Charme der venezianischen Paläste nachzuspüren und einmal die große Runde um den Hafen herum zu laufen. Hier reihen sich Tavernen neben Cafés und nahezu vor jedem Lokal steht ein Kellner, der mit geübtem Blick die Nationalität der Vorbeiflanierenden bestimmt und in der jeweiligen Landessprache ruft: „Hunger? Gutes Essen! Kommen Sie.“ Lehnt man dann höflich ab, wir haben schon gegessen, ändert sich nur das Angebot: „Kaffee, Cocktail, Icecream! Kommen Sie!“ Ein bisschen anstrengend finden wir.
Weil mein Frank mit Sommerbräune und schwarzen Augen von den Griechen für einen Italiener und von den Italienern gewöhnlich für einen Griechen gehalten wird, reifte ein Plan in uns. Ob er sich mit Komboloi für einen Griechen ausgeben kann? Gekleidet in lange Hosen und dunkles Hemd – klar doch, kein Grieche, der etwas auf sich hält, läuft in Shorts oder gar Bermudas durch eine Stadt! - drehte Frank zunächst ohne mich die Runde und erschien breit grinsend wieder in unserer Pension.
Am Abend sollte ich es dann selbst erleben: Kaum sind wir die Treppengasse zur Hafenpromenade hinabgestiegen, schießt der erste Kellner aus seinem Lokal, vertut sich erwartungsgemäß in der Nationalität: „Mangiare, Signore, Signora?“ Klack-klack! „Signomi! – Entschuldigung!“ ruft er und zieht sich wieder zurück. Ok, das konnte Zufall sein. Doch ein Lokal weiter geschieht das gleiche. Wir amüsieren uns prächtig. Seither begleitet uns Franks Komboloi auf jedem Ausflug in touristisches Gebiet.

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